Alles rund um die Schlange

Über die Anschaffung ►
Anatomie einer Schlange ►
Haltung in Terrarien ►
Pflege Eures neuen besten Freundes ►


Lasst uns ein wenig über die schönsten, grazilsten, bewundernswertesten, intelligentesten und vielseitigsten Geschöpfen dieses Erdenrundes sinnieren, zu welchen ich mich selbst zufälligerweise zählen darf: die Schlangen.



Über die Anschaffung

Wir Schlangen sind keine Kuscheltiere. Wir mögen es nicht, die ganze Zeit auf den Arm genommen oder ständig geknuddelt zu werden. Überhaupt bedeutet es für uns absoluten Stress, wenn irgendetwas mal nicht so ist, wie wir es gewohnt sind. Und wenn Ihr Euch aufopferungsvoll um uns sorgt, für unsere Belange immer ein offenes Ohr zeigt und uns bei Krankheit mit teuren Arztbesuchen zur Seite steht, dann danken wir es Euch, indem wir einen großen Haufen Verdautes im Wasserbecken platzieren. Mit uns dann zu schimpfen und an unsere Vernunft zu appellieren wird Euch ebenfalls nicht weiterbringen, wir sind nämlich stocktaub. Dies gilt insbesondere bei Kritik. Kurz gesagt: Wer ein dankbares Haustier sucht, sollte sich einen Hund anschaffen.

Was fasziniert Euch Menschen aber so an uns? Ich habe da meine ganz persönliche Meinung. Wir Schlangen leben mindestens schon seit der Kreidezeit auf diesem Planeten. Also bereits weit mehr als 140 Millionen Jahre. Für Euch sind wir archaische Kreaturen aus der Vergangenheit. Wesen mit einer Anatomie, die Euch fremder nicht erscheinen kann. Wir sind Jäger und ringen mit unserer Beute, bis wir durch unsere rohe Gewalt obsiegen. Verhaltensweisen, die Ihr längst vergessen habt. Durch uns werdet Ihr Euch Eurer selbst erst bewusst. Ach ja, und wir sind natürlich noch wunderhübsch anzuschauen. Weiterhin darf man auch den praktischen Aspekt nicht ganz außer Acht lassen. Wir benötigen sehr wenig Aufmerksamkeit und wenig Pflege und bieten auch den immer seltener werdenden berufstätigen Exemplaren Eurer Gattung die Möglichkeit, ein Haustier zu besitzen.

Ahsoko im Blätterdickicht
 

Anikin in der dunklen Höhle
 

Wenn Ihr noch nicht viel Erfahrung im Umgang mit uns Schlangen habt, aber gerne einen meiner Artgenossen bei Euch aufnehmen möchtet, solltet Ihr Euch fragen, was Ihr von Eurem zukünftigen Untermieter erwartet. Soll er schön anzusehen sein, gut handhabbar, stressresistent und farbenprächtig, dann empfehle ich Euch eine Kornnatter. Steht Ihr mehr auf den aktiveren Typ Schlange, der sich auch am Tage nicht zu schade ist, sich Euch in seiner Eitelkeit zu präsentieren, schlage ich den Kauf einer Strumpfbandnatter vor. Beide Natternarten sind außerordentlich pflegeleicht, nicht zu groß und wenig anspruchsvoll. Geradezu gut geeignet, um den Einstieg ins Schlangenhoteliergewerbe zu wagen. Kaufen solltet Ihr Euren neuen besten Freund von einem Züchter. In Zoohandlungen sind diese Tiere oft überteuert und haben nicht selten einen kleinen Dachschaden, wenn Ihr versteht was ich meine. Falls Ihr keinen Züchter kennt, besucht einfach mal eine der vielen Reptilienbörsen, wo man Euch gerne weiterhilft oder kontaktiert meine Herrchen.

Hier eine Checkliste für den Schlangenerwerb (je mehr Fragen Ihr mit „nein“ beantworten könnt, desto eher würde ich vom Kauf abraten):

1. Check des Verkäufers
     - nimmt er sich Zeit?
     - klingt er sachkundig?
     - hält er seine Schlangen artgerecht?
     - ist die Schlange futterfest?

2. Check der Schlange
     - ist sie zusammengerollt, agil oder schnappt sie?
     - züngelt sie, wenn sie in die Hand genommen wird?
     - hält sie sich an der Hand fest?
     - ist der Mund geschlossen?
     - ist die Haut ohne Unregelmäßigkeiten (Wunden, Häutungsreste,
       Parasiten)?

     - ist sie gut genährt und auch nicht überfüttert?
     - ist die Kloake sauber?

Der junge Chewie beim Klettern
 

Fay ist sehr neugierig
 

Vergewissert Euch vor dem Erwerb aber, dass das Terrarium Eures neuen Mitbewohners einwandfrei funktioniert, bevor Ihr ihn einziehen lasst. Schließlich wollt Ihr im Urlaub ja auch nicht als erstes nach Eurer Ankunft das Hotelzimmer renovieren müssen. Besitzt Ihr bereits eine Schlange, sollte der Neuzugang zunächst für 4 bis 8 Wochen in Quarantäne gehalten und beobachtet werden, um Krankheiten auszuschließen. So ein Quarantäneterrarium darf dabei ruhig etwas kleiner sein, als es normalerweise für die neue Schlange nötig wäre. Für die kurze Zeit halten wir das schon aus. Verzichtet auf Bodengrund und verwendet Zeitungspapier oder Papierküchentücher, dann könnt Ihr unsere Häufchen auch besser bewundern. Natürlich nur zu medizinischen Zwecken, versteht sich. Unerfahrene Schlangenhalter sollten Ihren Neuerwerb zum Tierarzt schleifen und auch gleich eine Kotprobe mitbringen (die Röhrchen dafür gibt's beim Tierarzt). Der guckt dann mal nach, ob alles in Ordnung ist. Ist die Schlange in den ersten 8 Wochen unauffällig geblieben, ist zumeist auch alles paletti.



Anatomie einer Schlange

Euch ist sicher schon aufgefallen, dass wir solch sinnlose Extremitäten wie Arme und Beine nicht besitzen. Und nebenbei angemerkt auch niemals besitzen wollen. Aber nicht nur auf den ersten Blick unterscheiden wir uns von Euch haarlosen Affen, sondern auch in vielen anderen körperlichen Belangen weichen wir stark von der seltsamen Anatomie ab, mit der Ihr gestraft seid.

Das wohl bekannteste und vor allem zweckmäßigste Schlangenorgan ist das so genannte Jakobsonsche Organ. Warum es jedoch nach einem Menschen benannt ist, verstehe wer will. Wir kannten jenen Körperteil schon weit vor diesem Jakobson. Mittels unserer gespaltenen Zunge nehmen wir Geruchsmoleküle auf und analysieren diese dann in diesem, am Gaumen liegendem Geruchssinn. So gelingt es uns vermutlich sogar einzelne Duftmoleküle zu erschnüffeln und Beutetieren - oder auch mal einem scharfen Weibchen - über längere Strecken nachzujagen. Sogar noch, wenn es bereits vor 15 Minuten die Gegend verlassen hat. Mit unserer Nase können wir vermutlich auch riechen, nutzen sie aber wohl ausschließlich zum Atmen.

Aufbau des Schlangenkörpers
 

Das Jakobsonsche Organ
 

Wie bereits erwähnt sind wir Schlangen taub. Wir besitzen aber noch Reste eines urzeitlichen Innenohrs, welches in der Lage ist, Informationen ans Gehirn weiterzuleiten, wenn wir Schallwellen mit unserem Kieferknochen aufnehmen. Dazu muss unser Kopf aber den Boden berühren. Das reicht dann, um die von einer springenden Maus hervorgerufenen Erschütterungen wahrzunehmen.

Beim Sehen hingegen unterscheiden sich die Fähigkeiten meiner Artgenossen teilweise sehr stark. Während Sandboas als fast blind zu bezeichnen sind, können Teppichpythons relativ gut sehen. Bei Strumpfbandnatter, Kornnattern und anderen ähnlichen Arten fanden Eure Wissenschaftler im Schlangenauge sogar Rezeptoren für grünes und rotes Licht, was auf ein Farbensehen hindeutet. Tatsächlich kann man beobachten, dass manche Schlangen Beutetiere mit bestimmten Farbgebungen bevorzugen. Aber was spekuliert Ihr darüber? Fragt doch einfach uns! Beim räumlichen Sehen haben wir große Probleme, denn unsere Augen sind einfach zu weit seitlich. So bekommt unser Gehirn zwei zu unterschiedliche Bilder. Das sorgt aber dafür, dass wir einen relativ großen Bereich gleichzeitig beobachten können. Wir besitzen keine Augenlider mehr. Im Laufe der Evolution wuchsen diese zusammen und bilden nun eine durchsichtige Schutzschicht über dem Auge, die Brille genannt wird. Richtig - wir können also nicht blinzeln und schlafen mit offenen Augen. Um so wichtiger ist es also, dass nachts das Licht aus ist.

Wie auch bei Euch ist die Haut unser größtes Organ. Unsere äußerste Hautschicht, die Epidermis, wächst jedoch nicht mit und muss deshalb in regelmäßigen Abständen erneuert werden. Ist dies der Fall reiben wir unseren Kopf solange an Steinen oder anderem, bis am Kopf die Haut aufplatzt. Dann versuchen wir, den Kopf daraus zu befreien, und können schließlich aus dem alten Natternhemd herauskriechen. Dieses Gefühl von neu gewonnener Freiheit ist dabei einfach herrlich. Über unsere Haut können wir Flüssigkeiten aufnehmen und Duftstoffe absondern, ersteres ersetzt aber keinesfalls das Trinken und letzteres tun wir nur, um das andere Geschlecht zu beeindrucken bzw. Fressfeinde abzuwehren. In der Haut befinden sich auch die Farbzellen, die für unsere Unverwechselbarkeit sorgen. Wir Schlangen besitzen 4 verschiedene Farbzellentypen: Melanophoren (dunkelbraun, enthalten Melanin), Guanophoren (farblos, wirken lichtbrechend, enthalten Guanin), Allophoren (rot, enthalten Erythrin) und Lipophoren (gelb, enthalten Xanthin).

Ihr habt sicherlich schon einmal davon gehört, dass Schlangen über eine eingebaute Wärmebildkamera verfügen. Dies ist nur teilweise richtig. Oder besser gesagt, nicht jede Schlange verfügt darüber. Ich für meinen Teil glaube, dass diese Fähigkeit überbewertet wird. Malla und Chewie, unsere Dschungelteppichpythons, würden das aber vehement verneinen. Für sie gibt es nichts Größeres, als die kleinsten Temperaturunterschiede wahrzunehmen. Dies gelingt ihnen mit verschiedenen Labialgruben, die ihre Lippen säumen und die selbst in absoluter Dunkelheit einwandfrei funktionieren.

Labialgruben von Malla
 

So sieht eine Schlange
 

Wir Schlangen bestehen nicht nur aus einem Guss. Ganz im Gegenteil. Auch wir besitzen Kopf, Körper und Schwanz. Meistens ist der Kopf leicht abgesetzt. Der Schwanz beginnt nach der Kloake und hat keine Rippen. Als Kloake bezeichnet man das Loch, durch welches wir unser großes und kleines Geschäft erledigen. Außerdem befinden sich da drin auch unsere Hemipenes, bzw. Hemiklitores. Hemi heißt halb. Jede Penishälfte ist dabei voll funktionsfähig. Wir haben also unsere Geschlechtsorgane doppelt ausgelegt und können uns somit vermehren selbst wenn ein Teil Defekte aufweist.



Haltung in Terrarien

Und nun kommen wir zum Allerwichtigsten. Hier möchte ich Euch mal ganz genau erklären, was Ihr so alles zu tun und zu lassen habt, damit es Euren Lieblingen auch absolut gut geht. Beginnen möchte ich mit der Terrarieneinrichtung. Ich weiß, wir Schlangen verfolgen da gänzlich andere Interessen als Ihr. Während wir total darauf stehen, unzählige Versteckmöglichkeiten zu besitzen, möchtet Ihr uns am Besten ständig zu Gesicht bekommen und möglichst der gesamten Sippschaft präsentieren. Okay, ich sehe ein, dass ein mit zu viel Interieur voll gestopftes Terrarium schwierig zu reinigen ist. Ich sehe auch ein, dass Ihr, wenn Ihr uns ständig alles vor die Kloake tragt, uns auch gerne mal beobachten möchtet. Aber eines geht nicht: uns jegliche Privatsphäre zu verwehren.

Zunächst einmal sollte genügend Bodengrund vorhanden sein, der auch auf die jeweilige Schlangenart abgestimmt sein muss. Sandboas brauchen halt Sand, während dieser bei uns Kornnattern nur zwischen den Schuppen klemmen und Entzündungen verursachen würde. Deshalb empfehle ich für die meisten Schlangen Kokoserde, die es in jedem Zoofachgeschäft zu kaufen gibt. Das sind so kleine gepresste Ziegelsteine, die man zunächst in Wasser auflösen muss. Das ergibt dann so torfähnlichen Boden. Gerade bei Schlangenarten, die Luftfeuchtigkeiten über 60% benötigen, ist das ein Wundermittel, weil der Boden nach und nach die Luft mit Feuchtigkeit schwängert. Bedenkt auch, dass wühlende Schlangen - und wir Nattern gehören allesamt dazu - etwas mehr Bodengrund benötigen, damit wir uns auch mal eingraben können. Wöchentlich, bzw. bei Bedarf, kann der Bodengrund dann nachgewässert und schön aufgelockert werden, damit er nicht schimmelt. Am Besten macht Ihr das parallel zur Fütterung. Eine andere Möglichkeit des Bodengrundes kann aber auch Pinienrinde sein. Meine Herrchen stehen voll auf dieses Einstreu. Es sieht gut aus, ist sehr leicht sauber zu halten und schimmelt nicht. Die notwendige Luftfeuchtigkeit kann hier durch ein ausreichend großes Wasserbecken erzielt werden.

Verstecke dürfen keinesfalls fehlen. Naja Ausnahmen bilden da wieder die Sandboas, die ja den ganzen besch…. Sand als Versteck nutzen. Aber wir richtigen Schlangen müssen uns auch mal zurückziehen können. Zwei solcher Rückzugsmöglichkeiten reichen da schon aus. Verteile sie einfach in verschiedenen Temperaturzonen unseres künstlichen Habitats. Dann können wir selbst entscheiden, wo es uns zu welcher Tages- und Nachtzeit gerade am Besten gefällt. Als Versteck gelten umgestürzte Blumentöpfe, Baumrinden, Höhlen oder andere kaufbare Optionen. Pflanzen benötigen wir nicht. Wir würden sie eh nur kaputtmachen, wenn wir darauf herumturnen. Da Ihr Menschen aber auf solches Grünzeug zu stehen scheint und es unser Terrarium angeblich ansehnlicher wirken lässt, könnt Ihr gerne 1 oder 2 künstliche Exemplare anbringen. Die sind stabiler, leichter zu reinigen und wir werden diese dann gründlich auf Schlangentauglichkeit untersuchen.

Zwar sind nicht alle Schlangen so große Kletterkünstler wie wir Kornis, doch sollte auch allen anderen die Möglichkeit gegeben werden, es zu versuchen. So können sie ebenfalls immer die Temperaturzone aufsuchen, die sie gerade benötigen. Für arboreal lebende Schlangen sind Äste und höher gelegene Plattformen natürlich besonders wichtig. Deshalb sollten diese Artgenossen auch Terrarien bewohnen, die ausreichend Raum nach oben bieten. Die Äste und Plattformen müssen natürlich stabil angebracht werden und einen ausgewachsenen Bewohner tragen können. Außerdem solltet Ihr darauf achten, dass die Kletteräste keinen geringeren Durchmesser als die Schlange aufweisen. Die Äste kann man kaufen, einfacher ist es jedoch, sich selbst welche von Bäumen zu sägen. Nach Rücksprachen mit Tierärzten gehen von einheimischen Ästen keine Gefahren für Terrarientiere aus. Zur Sicherheit könnt Ihr aber gerne Euer geschlagenes Beutegut abkochen oder mit Ardap desinfizieren. Eine bessere und hygienischere Variante sind herausnehmbare Kletteräste aus PVC-Rohren. Verschließt hier aber die jeweiligen Enden, sonst werden wir das auch als Höhle nutzen.

Moderne Kunststoffterrarien
 

Wüstenterrarium aus Glas
 

Eine Wasserschale darf in keinem Terrarium fehlen. Niemals. Sie sollte sogar so groß sein, dass wir uns mühelos und ohne Quetschungen zu erleiden darin baden können. Notfalls auch mal zu zweit. Frisches Wasser ist das A und O. Ihr flennt ja schon, wenn Euch die Kohlensäure aus der Selters entfleucht ist, also meckert nicht, wenn ich kein Wasser schlürfen will, in das Carl reingekotet hat. 2 Mal die Woche möchten wir also frisches Trinkwasser haben; wenn Ihr einen Haufen im Wasser entdeckt, bitte gleich reinigen. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder? Stellt Ihr das Wasserbecken unter den Wärmestrahler, erhöht sich sogar noch die Luftfeuchtigkeit im Terrarium. Zusammen mit Kokoshumus als Bodengrund erreicht man somit spielend die 90% ohne einen Vernebler oder ein Sprühgerät bemüht zu haben. Dennoch solltet Ihr ab und zu auch mal Regen simulieren. Gerade die Baumpythons lutschen lieber den Tau von den Wänden, als das Wasser direkt zu trinken - was für komische Gesellen. Im Winter ist dank Eurer seltsamen Heizkörper die Luftfeuchtigkeit geringer. Da hilft nur eins: öfter Sprühen. Besorgt Euch dazu einfach eine normale Blumenspritze. Sprühen sollte Ihr immer mit heißem Wasser, so erzielt man eine höhere Verdunstung. Sprüht einmal in der Woche die Terrarien so lange ein, bis die Scheiben anfangen zu beschlagen, dann habt Ihr eine gute Luftfeuchtigkeit erreicht. Die meisten von uns haben es allerdings nicht besonders gern, direkt angesprüht zu werden, zielt also bitte schön in die andere Richtung.

Um das Klima im Terrarium konstant zu halten werden mittlerweile unzählige technische Hilfsmittel angeboten. Ihr Menschen macht Euch das Lebe auch zu kompliziert. Natürlich benötigen wir Schlangen möglichst optimale Bedingungen, wenn man aber genau überlegt, herrschen diese in der Natur selbst nicht immer vor. Das Regeln der Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis auf die siebte Nachkommastelle sorgt nur dafür, dass wir Schlangen uns schneller Lungenentzündungen und andere Atemwegserkrankungen zuziehen, wenn einmal ein Stromausfall herrscht, ein Heizstrahler das zeitliche segnet oder wir transportiert werden müssen. Unser Wohlfühlklima ist stets in einer Spanne angegeben, die sich sogar noch von Experte zu Experte unterscheidet. Innerhalb dieser Spannen dürfen die Werte auch variieren. Es genügen also ein Wärmestrahler, eine Lichtquelle, eine Blumenspritze sowie 2 Thermometer und 1 Hygrometer. Verlasst Euch nicht zu sehr auf die Technik, beobachtet lieber das Verhalten Eurer Lieblinge und passt die Bedingungen dann an. Eine stumpfe Maschine kann niemals ein aufmerksames Herrchen ersetzen. Basta! Wenn Ihr anstelle eines Keramikstrahlers oder Spotstrahlers ein Heatpanel verwendet, spart Ihr den Schutzkäfig, der verhindern soll, dass wir uns daran verbrennen. Heatpanels sehen in einem Terrarium zudem noch besser aus.



Pflege Eures neuen besten Freundes

Im Grunde genommen sind wir Schlangen relativ anspruchslose Zeitgenossen. Wir wollen nicht Gassi gehen, wir springen nicht in der Wohnung herum, betteln nicht täglich um Essen und knabbern auch an keinem Möbelstück. Die wenigen Forderungen, die wir stellen, solltet Ihr aber beherzigen.

Schaut ruhig täglich einmal vorbei. Wir werden Euch nicht zuwinken und auch nicht mit dem Schwanz wedeln noch schnurren, aber falls wir irgendwo hingemacht haben, nehmt es bitte gleich mit. Gerne koten wir auch mal ins Wasser, dies solltet Ihr dann umgehend und protestlos reinigen. Schaut uns auch mal genauer an, vielleicht weist unser Verhalten ja Abweichungen auf, die auf Krankheiten deuten. Alles in allem kostet dies täglich keine 5 Minuten.

Mindestens 2 Mal die Woche möchten wir frisches Wasser. Spült das Wasserbecken gründlich aus. Unsere Herrchen benutzen reichlich heißes Wasser und eine Spülbürste, um die Becken von allen Verunreinigungen, die der dicke Carl hinterlassen hat, zu säubern. Gelegentlich auch mal desinfizieren. Bei mehreren Terrarien solltet Ihr darauf achten, dass Ihr die Wasserbecken und sonstigen Einrichtungsgegenstände immer im selben Terrarium benutzt und nicht vertauscht, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.

Je nach Schlangenart möchten wir alle 1 bis 3 Wochen gefüttert werden. Nattern öfter als Riesenschlangen. Besitzt Ihr mehrere Schlangen in einem Terrarium empfiehlt es sich, jedes dieser edlen Tiere herauszunehmen und separat zu füttern. Mein Herrchen stopft uns dann in ein Futterrack, das ist ein Regal mit durchsichtigen Plastikschubladen, wo wir dann unser Futter bekommen. So ist gewährleistet, dass auch alle Schlangen ihre Ration erhalten haben. Optional können auch Transportboxen oder Faunarien verwendet werden. Ein weiterer Vorteil einer Fütterung außerhalb unserer Behausung ist, dass wir Schlangen uns daran gewöhnen, dass es Futter nur Auswärts und nicht im Terrarium gibt. So werden auch die etwas bissigeren Exemplare niemals Eure Hand angreifen, wenn Ihr ins Terrarium langt. Zudem ist ein leeres Terrarium während unserer Essenszeit schlichtweg einfacher zu säubern. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Carl ein riesiger Fresser ist? In der Zeit, in der ich eine Maus erwürge, hat er schon 5 verschlungen. Die richtige Futtermenge ist bei uns besonders wichtig, schließlich wollen wird weder "groß-gehungert" noch gemästet werden. Das Futtertier muss also mit uns mitwachsen. Eine ausgewachsene Kornnatter wird von einer Babymaus einfach nicht satt! Das Futtertier sollte uns Schlangen angepasst, das bedeutet keinesfalls größer als der doppelte Bauchumfang sein. Es muss aber auch so groß sein, dass man - vor allem bei Jungtieren - nach der Fütterung deutlich einen dicken Bauch sehen kann. Königsnattern besitzen einen kleinen Kopf. Das sollte bei der Fütterung berücksichtigt werden. Im Zweifel lieber 2 kleinere Happen, als einen zu großen Brocken anbieten. Mäuse und Ratten sind die nahrhaftesten Bissen. Die meisten Schlangen futtern auch bereits tote Mäuse, die Ihr aus der Tiefkühltruhe holen und vorher im Wasserbad auftauen solltet. Herrchen nennt das Frostfutter. Frostfutter bietet den Vorteil, dass man stets genug auf Vorrat besitzt, dieses keine weiteren Pflegeansprüche stellt und eine Geruchsbelästigung vermieden wird. Bei qualitativ hochwertigem Frostfutter kann auf eine gelegentliche Zugabe von Vitaminpräparaten verzichtet werden. Diese Präparate werden oftmals empfohlen sind aber schwer zu dosieren. Zu hohe Dosierungen oder zu häufige Zugabe können uns Schlangen sprichwörtlich vergiften, da wir nicht in der Lage sind, überschüssige Vitamine auszuscheiden. Schlangen, die Fische fressen, sollten wenn es möglich ist auf Mäuse umgestellt werden. Bei Strumpfbandnattern ist dies grundsätzlich kein Problem. Anderenfalls kann es schnell zu Vitaminmangelerscheinungen kommen, wenn man nicht bestimmte Regeln beachtet, wie zum Beispiel die Vermeidung von Weißfischen.

Malm schlingt einen Goldfisch
 

Yaddel frisst eine Maus
 

Der regelmäßige Umgang beim Füttern mit uns schafft gegenseitiges Vertrauen. So werdet Ihr feststellen dass wir von Mal zu Mal ruhiger werden und weniger Stress erleiden. Dies ist auch von Vorteil, wenn Ihr mal mit uns zum Arzt fahren müsst. Außerdem könnt Ihr uns betasten und näher auf eventuelle Krankheiten und Veränderungen untersuchen. Alle 4 Wochen werden wir gewogen. Da wir nur relativ langsam sichtlich abmagern, können auf diese Weise schneller Gewichtsschwankungen festgestellt werden. Viele Krankheiten sind aufgrund starker Gewichtsreduzierung festzustellen, und zu große Zunahmen, vor allem bei bereits adulten Tieren, können auf zu häufige Fütterung und damit einhergehende Verfettung hindeuten. Vor der nächsten Fütterung, sollten wir also bereits gekotet haben, lass uns dann noch ein paar Tage schmoren und schon kann’s weitergehen.

Über das gesamte Jahr müsst Ihr hin und wieder die Beleuchtungsdauer der jeweiligen Saison anpassen. Auch wenn viele behaupten, wenn man keine Nachkommen haben möchte, braucht eine Schlange auch keinen Jahreswechsel mitzubekommen, sage ich es Euch als Betroffener: es geht uns einfach besser, wenn wir den natürlichen Lauf der Dinge nachvollziehen können. Es stärkt unser Immunsystem und außerdem könnt Ihr weitere Verhaltensweisen an uns beobachten, die Euch sonst auf ewig verborgen bleiben. Ist das nicht ein Deal? Wenn Ihr uns dann in Winterruhe schickt, muss unsere Behausung komplett gereinigt werden. Auch bei Schlangen, die keine Winterruhe kennen sollte das mindestens 1 Mal jährlich geschehen. Den gesamten Bodengrund müsst Ihr dann auswechseln und das Terrarium sowie alle Einrichtungsgegenstände desinfizieren.

Wenn Ihr mehrere Schlangen Euer Eigen nennen dürft, dann wird es natürlich immer komplizierter, den Überblick zu behalten. Mein Frauchen empfiehlt dazu ein Pflegebuch, in welchem sie dokumentiert, wann welche Schlange gegessen oder Futter verweigert hat, wann sie geboren wurde, wann sie sich gehäutet hat, wie viel sie gewogen hat, sowie alle sonstigen Besonderheiten wie Winterruhe, Verpaarung, Eiablage, evtl Krankheiten usw. So ein Pflegebuch ist auch dann sehr nützlich, wenn es doch mal zum Tierarzt gehen muss, oder wenn man mal nachgucken muss, wann ein Mädchen in den vorangegangenen Jahren vor der Eiablage üblicherweise das Fressen eingestellt hat.

Wenn Ihr diese wenigen Regeln befolgt, werdet Ihr auch lange Freude an Eurer Schlange haben.