Schlangengeschichten

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Dr. Red auf der Flucht ►
Aus dem Tagebuch einer Natter ►


An dieser Stelle wollen wir unseren Schlangen einmal Gelegenheit geben, ihre eigenen Erfahrungen und Geschichten kund zu tun. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.



Eine schwere Geburt

Puh, was für ein Jahr!

Achja, vielleicht sollte ich mich doch erstmal vorstellen…

Also, mein Name ist Mara, und ich bin eine der Kornnattern, die sich bei unseren Herrchen tummeln. Und bisher hatte ich ein ziemlich außergewöhnliches Jahr, also dachte ich, ich mache mal den Anfang und erzähle mal ein bisschen von dem, was bei mir so los war in den letzten Monaten…

Wo fange ich an? Ach ja: Also, wie gesagt, bin ich nicht nur ein Kornnattermädchen und etwa 2 Jahre alt, sondern dazu auch noch eine echt schöne Blizzard, schließlich habe ich auch schon reichlich Komplimente bekommen. Na jedenfalls wohnen wir ja alle in WGs, und bei mir gab es da diesen echt süßen Pastell-Jungen – Obi Wan. Das lustige daran, Herrchen und Frauchen hatten echt keine Ahnung, dass Obi ein Junge war, sondern hatten uns zusammen gesetzt, weil sie dachten, dass er ein Mädchen wäre. Die beiden stehen nämlich nicht so auf Teenagerschwangerschaften… Naja, wir haben das natürlich sofort kapiert! Und dann haben uns die beiden auch noch erwischt, als wir nur mal ein bisschen Spaß haben wollten. Oh man, da war was los! Obi ist jedenfalls gleich rausgeflogen und wohnt seitdem bei den Jungs.

Obi und Mara bei der Verpaarung
 

Obi flog aus dem Terrarium
 

Ich glaube, dass Herrchen und Frauchen anfangs noch gehofft hatten, das nichts passiert ist, jedenfalls sind sie noch eine ganze Zeit davon ausgegangen, dass ich einfach nur gut im Futter wäre, ich hatte ja auch immerhin keine Winterruhe gemacht und auch weiter fleißig gefressen. Jedenfalls haben die zwei ganz schön blöd geguckt, als sie beim wöchentlichen Terrarienputz das Wasserbecken zur Seite geräumt haben und da plötzlich drei Eier lagen! Das eigentliche Problem dabei war aber, dass ich vielleicht doch noch ein bisschen zu klein war für die ganze Aktion, auf jeden Fall habe ich die letzen zwei Eier nicht rausbekommen! Vom ganzen Drücken und so war auch die Haut um meine Kloake schon richtig wund, das war echt kein Spaß.

Tja, Herrchen und Frauchen hatten sich zumindest im Vorfeld über Schlangen-Schwangerschaften informiert, deshalb haben sie zum Glück von dem Versuch, die beiden letzen Eier rauszumassieren, die Finger gelassen. Stattdessen ging’s für mich erstmal ab in ein Quarantäneterrarium mit Eiablagebox und Frauchen hat sich mit Telefon und Telefonbuch bewaffnet auf die Suche nach einem Tierarzt gemacht. Das ganze fand nämlich an einem Samstagnachmittag statt, und so hat es echt richtig lange gedauert, bis sie einen Doc gefunden hat, der um diese Zeit arbeitet und sich auch noch mit Schlangen auskennt.

Jedenfalls sind die beiden am Ende mit mir dann den ganzen Weg bis nach Oldenburg gefahren, aber zumindest haben wir hier einen Arzt angetroffen, der offensichtlich Ahnung hatte von dem, was er da tat.

Maras dicker Popo
 

So sieht Mara von drinnen aus
 

Als erstes ging’s dann mal zum Röntgen, und nachdem klar war, dass sonst alles ok war, hat der Arzt erstmal ein Wehen förderndes Mittel gespritzt, Bettruhe verordnet und mich wieder nach Hause geschickt in der Hoffnung, dass sich das Problem dann von alleine löst. Achja, und er hat Herrchen noch eine Spritze in die Hand gedrückt, damit ich das Mittel am nächsten Tag dann noch mal bekommen könnte. Ich kann Euch sagen, Herrchen und Frauchen haben erstmal nicht schlecht geguckt, und sich dann noch alles sehr genau zeigen und erklären lassen, bevor wir wieder nach Hause gefahren sind. Wie genau das mit den Spritzen bei uns Schlangen funktioniert, verrate ich Euch hier aber nicht, schließlich sind wir ja keine Laborschlangen! Das lasst Ihr Euch dann mal besser von Eurem Tierarzt zeigen, falls Ihr je in die Verlegenheit kommt. Nur so viel, Spritzen bekommen finden wir genauso ätzend wie Ihr, deshalb müsst Ihr uns sehr gut festhalten!

Wie auch immer, die ganzen schönen Pläne haben natürlich nicht funktioniert, und so saßen wir am Montag wieder im Auto auf dem Weg zum Tierarzt, dem dann auch nur noch eine Möglichkeit blieb – Kaiserschnitt! Zum Glück ist alles ganz gut verlaufen, und nach ein paar Stunden sind wir dann, ausgerüstet mit Schmerzmitteln und Antibiotika für eine Woche und natürlich zwei Eiern, wieder zu Hause angekommen. Für mich ging’s wieder ab in die mit Zeitungspapier ausgelegte Quarantäne, schließlich konnte ich ja schlecht mit der frischen Narbe zurück ins Terrarium. Ansonsten haben mich Herrchen und Frauchen zum Glück auch erstmal ein paar Tage weitestgehend in Ruhe gelassen, fressen mochte ich auch sowieso nicht. Nach einer Woche lang Spritzen jeden Tag und der ganzen Tortur vorher hatte ich dann irgendwann aber doch so richtig Kohldampf, und habe mir dann zwei Wochen nach der OP zum ersten Mal wieder einen Happen Maus genehmigt. Man, die zwei waren richtig begeistert! Der Tierarzt hat übrigens noch ein paar Mal angerufen und sich erkundigt, wie es mir denn so geht, dass fanden wir richtig gut.

Mara musste gespritzt werden
 

Maras gerettetes Gelege
 

So sah Maras Kaiserschnittnarbe aus
 

Maras Kaiserschnitteier
 

Damit war das ganze Drama aber noch nicht vorbei. Irgendwann kam natürlich auch der Tag, an dem ich mich zum ersten Mal wieder häuten musste. Und dabei habe ich mir dann auch die ganze Narbe runter gerissen, das war echt richtig tief. Autsch! Der nette Doc war aber auch da wieder zur Stelle und hat am Telefon erstmal mein Herrchen beruhigt. Dann hat er sich die Fotos angeguckt, die Herrchen schnell gemacht und ihm per E-Mail geschickt hatte, und auch wenn das ganze echt richtig fies aussah, war es nichts, was man nicht wieder in den Griff kriegen konnte. Diesmal waren ein nicht brennendes Desinfektionsmittel für Kinder (aus der Apotheke) und regelmäßiges Einkremen mit Bepanthen die Lösung. Und auch wenn das ganze noch nicht wieder vollständig verheilt ist, so ist es doch schon wesentlich besser geworden. Aber eins kann ich Euch sagen: Reptilienhaut heilt wirklich sehr (!) langsam.

So langsam hoffe ich aber doch, dass ich bald endlich wieder zurück in mein Terrarium kann, aber von der wenig spannenden Umgebung mal abgesehen, geht’s mir sonst wieder ganz gut.

Maras Wunde nach der Häutung
 

Das Stück Haut mit der Naht
 

Da fällt mir noch ein: Die beiden Kaiserschnitt-Eier sind leider nichts geworden. Insgesamt ist aus der ganzen Aktion ein hübsches kleines Mädchen entstanden. “30” ist putzmunter und mittlerweile auch zu neuen Herrchen umgezogen, wo sie es sich wohl scheinbar gut gehen lässt. Tja, das war’s dann auch eigentlich erstmal von mir. Falls man aus der Geschichte was lernen kann dann wohl:

Passt auf Eure halbwüchsigen Schlangenmädchen auf, aber denkt immer dran, dass man doch nie ganz ausschließen kann, dass sich ein Weibchen plötzlich als Männchen entpuppen kann. Weder Sondieren noch Poppen schützen Euch da vor gelegentlichen Überraschungen.

Macht Euch rechtzeitig auf die Suche nach einem kompetenten Tierarzt, am besten, bevor Ihr am Samstag Nachmittag mit einem Notfall dasteht.

So, das war’s dann aber wirklich.

Bis dann, Eure Mara



Stille Post

Hallo! Hallooooooooooo! Ich bin’s, Besta, die Rotseiten-Strumpfbandnatter! Ach, ich bin ja so aufgeregt. Das muss ich Euch unbedingt erzählen:

Herrchen und Frauchen haben jetzt nämlich endlich mal ein paar Freunde für mich gefunden.

Die beiden waren ja schon lange ganz begeistert von mir. Ich sehe ja nicht nur richtig hübsch aus, ich bin auch viel aktiver als diese langweiligen Kornnattern, die immer nur fressen und rumliegen und sich sonnen wollen. Wobei, fressen finde ich natürlich auch super! Na, jedenfalls bin ich aber auch immer in meinem Terrarium unterwegs, und deshalb darf ich ja jetzt auch im Wohnzimmer wohnen, wo es auch viel mehr zu sehen gibt und Herrchen und Frauchen mich auch viel öfter bewundern können.

Aber eigentlich wollte ich Euch doch was anderes erzählen: Achja, meine neuen Mitbewohner…

Also, Herrchen und Frauchen hatten also beschlossen, dass ich noch ein paar neue Freunde bekommen sollte, und dann vielleicht in ein paar Jahren…? Egal, zunächst haben sich die beiden einfach mal auf den Reptilienbörsen in der Umgebung herumgetrieben, aber da war einfach absolut nichts zu finden. Irgendwann hat Frauchen dann angefangen, sich mal im Internet nach anderen Thamnophis Sirtalis Parietalis umzusehen, und auch dass wurde eine viel längere und schwierigere Suche, als ursprünglich erwartet. Tatsächlich scheint es einfacher zu sein, einen von diesen riesigen Tigerpythons zu kriegen als ein paar von meinen Artgenossen.

Am Ende hat Frauchen dann aber doch einen Mann aus einer Stadt, die mit D anfängt - ich weiß den Namen aber nicht mehr - irgendwo im Süden gefunden, der Kumpels für mich zu verkaufen hatte. Nach etlichen E-Mails mit vielen, vielen Fragen (wie alt sind die Tiere, sind sie verwandt, was fressen sie, sind sie geschlechtsbestimmt, bei welchen Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten werden sie gehalten, usw.), die der Züchter auch alle geduldig beantwortet hat, haben Herrchen und Frauchen sich dann entschlossen, zwei Jungs und ein Mädchen als neue Mitbewohner für mich zu kaufen. Aber nicht nur irgendwelche Rotseitenstrumpfbandnattern, einer von den beiden Jungs (Benno) ist nämlich amelanistisch und der andere (Billy) ist anerythristisch, also schwarzweiß – sehr verwegen.

Hallo, ich bin's Besta
 

Billy erkundete gleich sein neues Heim
 

Weil die drei aber von so weit weg kommen sollten, haben sich Herrchen und Frauchen dazu entschlossen, etwas für sie ganz neues zu machen, und die neuen Schlangen per Versand in ihr neues Zuhause zu holen. Im Prinzip funktioniert das so, dass die Tiere an einem Tag (bei den meisten Tierversandfirmen montags, dienstags oder mittwochs) am Vormittag abgeholt werden, und dann am nächsten Tag vormittags an ihrem Ziel ankommen. Das ganze kostet dann zwischen 30 und 45€.

Die drei Neuen sollten während des Urlaubs von Herrchen und Frauchen ankommen, und so hat Frauchen den ganzen Vormittag zu Hause gesessen und war mindestens so aufgeregt wie ich! Als die Neuen dann endlich in ihrer Kiste ankamen, waren sie alle ganz fit und wurden erstmal in ein Quarantänebecken verfrachtet, in dem schon verschiedene Verstecke und ein Wasserbecken auf sie warteten. Und du meine Güte, waren die winzig! Dass Babyschlangen klein sind, wissen wir ja alle, aber mit soooo Kleinen hatte Frauchen, glaub ich, nicht gerechnet. Vor allem die beiden Jungs – echt winzig.

Na, jedenfalls durften die drei sich dann erstmal ein bisschen ausruhen, bevor sie zwei Tage später zum ersten Mal fressen sollten. Für alle drei gab es Mäuse-Hack, ne ganze Maus hätten die im Leben ja nicht runter gekriegt. (Herrchen und Frauchen finden übrigens, dass das weniger eklig ist, wenn man die Babymaus noch gefroren klein schneidet und dann in einer Glasschale auftauen lässt). Das Mädchen (Malm) hat sich in guter Strumpfbandnatter-Manier auch nach kurzem Zögern über ihre Mahlzeit hergemacht – gut so! Dagegen haben sich Billy und Benno ziemlich angestellt und einen auf Futterverweigerung gemacht! Einfach unglaublich, oder?

Benno kommt in Quarantäne
 

Malm war auch so ein Winzling
 

Herrchen und Frauchen haben es dann mit Lachsstückchen und Lachs-Maus-Gemisch versucht, und die Jungs haben sich immer noch geweigert. Echt unfassbar! Am Ende hatte der Züchter dann die rettende Idee: Regenwurm! Und es hat echt funktioniert, die Jungs waren ganz wild darauf! Und damit hat es sich auch mal wieder bestätigt, dass es einen guten Züchter nun mal auszeichnet, dass er bereitwillig alle Fragen beantwortet, wenn nötig eben auch, wenn das Geld bereits überwiesen ist. Nach einem Zwischenschritt über Regenwurm-Maus-Gemisch haben Billy und Benno es dann endlich begriffen und schlagen sich jetzt die Bäuche voll, wie es sich für vernünftige Strumpfbandnattern gehört. Herrchen ist jedenfalls optimistisch, dass die beiden bald groß genug sind, um auf der Waage auch eine Anzeige zu produzieren.

Ich glaube aber, dass die Neuen noch eine ganze Weile fleißig futtern und wachsen müssen, bis sie wirklich meine Mitbewohner werden können, aber ich freue mich schon riesig darauf.

Also bis dann, Eure Besta!



Fresssäcke und Hungerkünstler

Guten Tag. Ich bin Wicket, das Sandboa-Männchen. Und nachdem die Damen sich hier ja schon über ihre Erlebnisse ausgelassen haben, möchte ich mich nun auch einmal zu Wort melden. Mein Thema: Futter, bzw. die Tatsache, dass die Lieblingsbeschäftigung einiger meiner Mitbewohner, nämlich das Fressen, doch deutlich überbewertet wird. Ich für meinen Teil mache mir jedenfalls nicht allzu viel daraus. So habe ich in der letzen Wintersaison monatelang gar nicht gefressen, da konnten sich meine Besitzer auf den Kopf stellen und machen, was sie wollten. Und was sie nicht alles versucht haben: im Hellen füttern, im Dunkeln füttern, mit Frostfutter und mit Lebendfutter. Mal haben sie meine Futterbox mit Sand gefüllt, dann haben sie wieder Küchenrolle reingelegt, und einmal haben sie mich mit meinem (weiterhin verschmähten) Abendessen auch in eine kleine enge Pappschachtel gesteckt. Dabei wollte ich doch nur meine Winterruhe, auch wenn die Menschen meinten, ich sei noch zu jung dafür. Meine Frau Kneesaa ist da übrigens weniger wählerisch und frisst gerne das wöchentlich angebotene Frostfutter (deshalb ist sie mittlerweile auch fast dreimal so groß wie ich, aber das ist ja auch nur richtig so).

Jedenfalls genehmige ich mir jetzt im Sommer auch regelmäßig einen Happen Maus, so etwa alle 6 bis 8 Wochen eben. Und seltsamerweise löst das dann bei meinen Menschen immer regelrechte Begeisterungsstürme aus, dabei brauchen die sich gar nicht so aufzuregen, schließlich halte ich auf diese Weise schon seit mindestens einem Jahr mein Gewicht. Aber die sind eben von meinen gierigen Mitbewohnern reichlich fehlgeleitet.

Wenn man sich aber so bei meinen Besitzern umguckt, gibt es schon deutliche Unterschiede im Fressverhalten meiner Terrariengenossen, quasi eine Hitliste von Fresssäcken und Hungerkünstlern:

Platz 1: Rotseitenstrumpfbandnattern
Die wahrscheinlich gierigsten Schlangen, die mir bisher untergekommen sind, nehmen grundsätzlich fast alles an Futter an und schlingen es herunter. Bei uns zu Hause werden sie mit Frostmäusen gefüttert, viele Strumpfbandnattern sind allerdings auch an Fisch (tot oder lebendig) gewöhnt, eine Umgewöhnung ist bei jungen Schlangen relativ einfach, wird mit zunehmendem Alter allerdings schwieriger. Sozusagen als Geheimtipp hat sich Regenwurm herausgestellt, die beiden frisch zugezogenen Männchen waren jedenfalls ganz verrückt danach und konnten so nach dem Umzugsstress zum Futtern gebracht werden.

Einige Strumpfbandnattern brauchen nach der Winterruhe einige Wochen, bis sie wieder regelmäßig fressen. Keine Aufregung, einfach weiter regelmäßig Futter anbieten, schließlich ist nicht jeder sofort nach dem Aufstehen wild aufs essen.

Bitte keine lebenden Mäuse verfüttern, da Strumpfbandnatter ihre Beute nicht erwürgen, was bei Fisch oder Wurm ja auch kein Problem darstellt.

Platz 2: Dschungel-Teppichpythen
Fressen mit Begeisterung Mäuse und Ratten, egal ob tot oder lebendig, wenn sie es erstmal begriffen haben. Außerdem lernen sie auch ziemlich schnell, was es bedeutet, wenn sie am Fütterungstag aus dem Terrarium geholt werden, und die wilderen unter ihnen schnappen dann nach allem, was sich bewegt, im Zweifel auch nach der Hand, die sie füttert, deshalb lieber Handschuhe tragen oder einen Schlangenhaken benutzen. Junge Teppichpythen neigen dazu, Futter zu bevorzugen, dass eigentlich eine Nummer zu groß ist, da muss gegebenenfalls ein Kompromiss gefunden werden. Plant man, die adulten Tiere später mit Ratten zu füttern (aufgrund des Verhältnisses von Schlange zu Futtertier und auch aus Kostengründen bietet sich das an), sollte man bereits die junge Schlange mit Baby-Ratten füttern, da sich manche Vertreter sonst ziemlich anstellen, wenn es plötzlich keine Mäuse mehr gibt.

Platz 3: Kornnattern
Kornnattern sind im Allgemeinen keine allzu wählerischen Schlangen, die problemlos mit Mäusen (gerne auch Frostfutter) gefüttert werden können. Die meisten Neonaten nehmen anstandslos Futter an, wenn es ihnen in die Futterbox gelegt wird. Einige sind jedoch sehr begriffsstutzig (bei meinen Menschen zu Hause sind das vor allem Padme und Anakin, die beiden Bloodreds). Oftmals hilft es, die Größe des Futters zu reduzieren und lieber mehrere kleinere Mäuse zu verfüttern.

Platz 4: Gefleckte Zwergpythen
Gute Fresser von Lebend- und Totfutter, wenn sie erstmal begriffen haben, worum es beim Fressen geht. Bei jungen Schlangen, die an Totfutter gewöhnt werden sollen, ist es hilfreich, mit der Futterpinzette die Maus vor dem Schlangenkopf hin- und herwackeln zu lassen, um so den Fressreiz auszulösen. Wie die Teppichpythen neigen auch junge Zwergpythen dazu, eher zu großes Futter zu bevorzugen, das muss wohl so ein australisches Ding sein. Allerdings sind Mace und Luminara wesentlich weniger gierig als Chewie und Malla, auf Handschuhe und dergleichen können meine Menschen jedenfalls verzichten.

Platz 5: Königsnattern
Alle meine Mitbewohner aus der Königsnatter-Fraktion sind nur mittelmäßig begeisterte Fresser, wobei die beiden Graugebänderten noch wesentlich besser fressen als die beiden Roten. Da die Königsnattern einen verhältnismäßig kleinen Kopf haben, empfiehlt es sich, eher kleinere Mäuse zu verfüttern, und dann eben mehr davon. Ansonsten haben sich für meine Menschen ein ruhiger Fressplatz und Geduld als die besten Mittel herausgestellt, um die Königsnattern zum Fressen zu bringen. Interessant ist, dass je älter sie werden, desto besser und regelmäßiger fressen sie.

Platz 6: Sandboas
Tja, und ganz am Ende der Liste kommen Kneesaa und ich. Aber darüber habe ich mich ja schon ausreichend ausgelassen, es gibt eben Wichtigeres als ständig nur ans Fressen zu denken.

Nochmal zum Mitschreiben: Platz 6
 

Hier sind die Helden von Platz 4
 

Der Zweite ist der erste Verlierer
 

Platz 5 für die Königsnattern
 

Der Kornnatter gehört Platz 3
 

And the Winner is...
 

Bevor ich mich wieder in meinem Sand verkrieche, will ich Euch aber noch ein paar Anmerkungen zum Thema Futter allgemein geben:

Lernt die Futtergewohnheiten Eurer Schlangen kennen und richtet Euch darauf ein. Manche von uns fressen eben nur alle paar Wochen, andere können gar nicht genug bekommen. Einige fressen nicht, wenn sie kurz vor der Häutung sind, andere lassen sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht beeindrucken. Und wieder andere werden lieber mit ihrem Abendessen über Nacht alleingelassen. In diesem Fall muss die Futterbox aber unbedingt 100% ausbruchssicher sein! Abweichungen von den üblichen Gewohnheiten (vor allem längere Futterverweigerung) sollten Euch immer skeptisch machen. Checkt die Haltungsbedingungen und fangt an, Euch über Krankheiten einen Kopf zu machen. Aber bitte denkt immer daran, dass einmaliges Futterverweigern noch kein Grund zu Sorge ist (Und dann gibt es da ja auch noch solche Dinge wie Frühling, Paarungsverhalten, Schwangerschaft und Winterruhe…).

Kein Grund nervös zu werden, wenn wir nach einer halben Stunde noch keine Anstalten zum Fressen machen, das ist ja schließlich kein Wettbewerb! Und es kann eine tote Maus zwar interessanter für uns machen, wenn Ihr uns ein bisschen damit ärgert, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Ihr wollt ja schließlich auch nicht mit einem ganzen Hähnchen am Spieß eine halbe Stunde lang auf die Nase geboxt werden!

Umzug bedeutet Stress für uns Schlangen, auch wenn wir keine Möbel schleppen müssen. Lasst einen Neuzugang deshalb am Besten erstmal ein paar Tage in Ruhe, bevor ihr ihm Futter anbietet (Wasser muss natürlich sofort bereitstehen).

Gerade wenn wir uns noch nicht so genau an Eure Futter-Routinen gewöhnt haben, möchten wir beim Fressen gerne unsere Ruhe haben. Steckt uns in eine Futterbox, Maus dazu, und lasst uns an einem ruhigen Ort in Ruhe, während Ihr unser Terrarium sauber macht.

Nicht alle meine Artgenossen sind so anspruchslos wie Strumpfbandnattern und Kornnattern. Einige von uns sind nun mal ausgesprochene Futterspezialisten und lassen sich ganz sicher nicht an anderes Futter gewöhnen. Informiert Euch deshalb bitte vorher und nehmt sie nur bei Euch auf, wenn Ihr die speziellen Anforderungen auch erfüllen könnt und wollt.

So, nun habe ich aber wirklich genug geredet. Weitere Futtertipps findet Ihr unter “Was man wissen sollte” und in den Artenteilen.

Auf Wiedersehen, Wicket.



Spontane Adoption

Hallo, ich heiße Sabé, und heute möchte ich Euch kurz berichten, wie mein Kumpel Jabba und ich zu unseren neuen Herrchen und Frauchen gekommen sind.

Anders als meine neuen Kumpels hier sind wir zwei nämlich nicht hier aufgewachsen, sondern hatten ursprünglich einen anderen Besitzer. Tja, und wie auch unsere neuen Herrchen schon feststellen mussten, geben wir Kornis nun einmal den Frühlingsgefühlen nach, sobald wir Teenager werden und uns mit dem anderen Geschlecht in einem Terrarium wieder finden… Und natürlich hat Jabba ganze Arbeit geleistet, und ich wurde schwanger. Und damit ging dann der ganze Ärger los. Statt ganz normal meine Eier zu legen, habe ich nämlich eine Legenot entwickelt. Mein ehemaliger Besitzer hat mich dann zum Tierarzt geschleppt, damit der mir hilft. Womit er allerdings nicht gerechnet hatte war, dass so eine OP auch ne ganze Menge Geld kostet, und zwar mehr, als er sich leisten konnte. Am Ende blieb ihm keine andere Lösung, als den Tierarzt zu bitten, ihm bei der Suche nach einem neuen zu Hause für Jabba und mich zu helfen. Und da kamen unsere neuen Herrchen ins Spiel. Denn der Tierarzt, bei dem ich operiert werden sollte, stellte sich als derselbe Tierarzt heraus, zu dem auch unsere neuen Kumpels hier immer gebracht werden, wenn dann doch mal etwas nicht in Ordnung ist. Jedenfalls ist dem Tierarzt dann eingefallen, dass Herrchen und Frauchen ja quasi einen ganzen Zoo voller Schlangen zu Hause haben, und da vielleicht auch noch Platz für zwei weitere von uns sein könnte. Ich habe mir sagen lassen, dass der Anruf doch eine ziemliche Überraschung war, aber nach kurzem Überlegen haben sie sich dann dafür entschieden, Jabba und mich zu adoptieren. Und weil der Tierarzt auch ganz nett ist (und vielleicht auch mal wieder üben musste), hat er mich dann kostenlos operiert, und das hat dann ja auch gut funktioniert – Gott sei Dank.

Nach ein paar Tagen in der Reptilienstation in der Tierarztpraxis hat Herrchen uns dann abgeholt. Natürlich sind wir dann erstmal in Quarantäne-Terrarien einquartiert worden. Und da warte ich immer noch darauf, endlich umziehen zu dürfen, denn erstmal muss natürlich meine Narbe anständig verheilen. Aber danach darf ich dann zu Mara und Leia in ein tolles, großes Terrarium ziehen, und darauf freue ich mich schon total. Und mit Mara habe ich dann ja auch ne Menge zu bequatschen, sie hatte ja schließlich auch schon einen Kaiserschnitt…

Was Jabba angeht, den haben Herrchen und Frauchen erstmal auf Diät gesetzt, hihi. Und er war ja auch zugegebenermaßen etwas mollig. Natürlich ist das mit der Diät bei Schlangen etwas schwierig, denn wenn wir nichts zu fressen kriegen, fahren wir nun einmal einfach unseren Stoffwechsel herunter, ganz abgesehen davon, dass das auf die Dauer natürlich nicht gesund ist. Und mit Sport haben wir es ja nun wirklich nicht so. Also haben unsere neuen Herrchen den Zeitraum zwischen den einzelnen Fütterungen von Jabba um eine Woche verlängert und ihm bei jeder Fütterung nur eine kleinere Maus gegeben. Jabba fand das natürlich extrem ätzend, aber mit viel Geduld haben sie es dann auch geschafft, und Jabba ist wieder etwas schlanker geworden. Und das ist natürlich auch nur gut für Jabba.

So, das war’s dann auch erstmal wieder von mir.

Viele Grüße, Sabé.

Sabe und ihre Narbe
 

Das ist der dicke Jabba
 

P.S.: Ich bin’s noch mal, in den letzten Wochen ist nämlich noch einiges passiert, was ich Euch nicht vorenthalten wollte: Ich bin endlich umgezogen!!! Und wohne jetzt mit Mara und Leia zusammen, mit denen ich mich bisher auch ziemlich gut verstehe.

Ich habe ja immer noch im Quarantäne-Terrarium darauf gewartet, dass meine Narbe verheilt, und ich endlich umziehen darf. Und vor kurzem hatte der nette Tierarzt meine neuen Herrchen noch mal angerufen, um sich nach mir zu erkundigen. Nachdem er gehört hatte, dass auch nach dreimal häuten die Fäden immer noch nicht mit gehäutet waren, hat er dann meinen neuen Herrchen empfohlen, mal vorsichtig zu versuchen, ob sie die Fäden nicht herauszupfen können. Ich glaube, die zwei waren etwas nervös, als sie sich mit mir hingesetzt haben, und ganz ehrlich war auch ich etwas skeptisch. Mein Frauchen hat die ganze Zeit etwas von „wir brauchen mehr Hände…“ geredet, aber meiner Meinung nach sind Hände eigentlich doch ziemlich überflüssig… Am Ende haben die beiden es aber geschafft, und tatsächlich sah meine Narbe richtig gut aus, so gut, dass ich nun auch umziehen durfte. Ich habe mir auch gleich die tollste Höhle gesichert, als Mara und Leia nicht hingesehen haben, hihi.

S
o, nun muss ich mich aber weiter sonnen.

Noch mal viele Grüße, Sabé



Der große Umzug

Guten Tag! Heute bin ich, Mace, an der Reihe, von meinen Erlebnissen zu berichten, und deshalb geht es um ein ziemlich aufregendes Ereignis: den großen Umzug.

Wie ihr wahrscheinlich schon bemerkt habt, ist bei meinen Herrchen die Faszination für uns Schlangen mit der Zeit immer größer geworden, und aus den allerersten Mitbewohnern, nämlich Carl, Lenny und Apu ist mit der Zeit fast ein kleiner Zoo mit über 30 meiner Artgenossen geworden. Und seit dem ersten Tag sind Herrchen und Frauchen immer bemüht, unseren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Gewohnt haben wir in einer Sammlung ganz unterschiedlicher Terrarien, hauptsächlich aus Holz und OSB, die Herrchen zum großen Teil selbst gebaut hat! Vielleicht sind Hände manchmal doch nicht nur doof und überflüssig…? Eine Bauanleitung für eines von Herrchens OSB-Terrarien findet ihr übrigens unter „Das Heim der Schlange“.

Bei aller Faszination für uns, die wunderbarsten Geschöpfe der Welt, mussten unsere Herrchen aber schon feststellen, dass es auch eine Menge Arbeit bedeutet, sich um 30 Schlangen zu kümmern. Wir haben nämlich schon ein gewisses Talent dafür, Dreck zu hinterlassen. Irgendwann haben Herrchen und Frauchen dann beschlossen, sich selbst und uns etwas Gutes zu tun und die ganzen Terrarien in unserem Schlangenzimmer gegen neue, einheitliche Terrarien aus Kunststoff auszutauschen. Und nach langem Rumsuchen und Überlegen haben meine Herrchen dann den großen Schritt getan, und eine neue Einrichtung für unser Schlangenzimmer bestellt. Und dann gingen auch schon die Vorbereitungen los. Denn schließlich konnten die neuen Terrarien ja nicht ins Schlangenzimmer, bevor wir samt den alten Terrarien Platz gemacht hatten. Und so wurden unsere Terrarien also allesamt im Flur gestapelt, und jede Menge Verlängerungskabel durch die Wohnung gelegt, damit wir auch weiter wie gewohnt unsere Dosis an Licht und Wärme bekommen konnten. Tja, und irgendwie haben sie da mit den Scheiben an dem Terrarium von Luminara und mir wohl nicht so ganz aufgepasst. Und zu meiner Schande muss ich ja wohl gestehen, dass Luminara und ich unsere Chance genutzt und uns mal auf einen Erkundungsstreifzug begeben haben. Ich weiß ja, dass das ziemlich unvernünftig und unseren Herrchen gegenüber auch ein bisschen undankbar war, aber wir waren nun mal so neugierig. Weit sind wir allerdings nicht gekommen, denn auch im Schlangen wieder finden sind unsere Herrchen mittlerweile ziemlich gut.

Ein paar Tage später war es dann so weit: Ein riesiger LKW kam auf den Hof gerollt und hat gleich 5(!!!) von diesen großen Holzdingern – ich glaube ihr Menschen nennt die „Europaletten“? – voller Terrarien abgeladen. Den restlichen Tag lang haben Herrchen und Frauchen dann im Wesentlichen mit Schleppen und Anschließen verbracht – die sahen am Ende ganz schön fertig aus… Am späten Abend war es dann aber endlich so weit, und wir konnten in unsere neuen Behausungen umziehen. Das war wirklich aufregend. Wir haben jetzt nicht nur mehr Platz, sondern jedes Terrarium wird jetzt über ein Thermostat mit Lichtsensoren und Nachtabsenkung gesteuert, so dass die Temperaturen noch besser auf unsere Bedürfnisse abgestimmt werden konnten. Zusätzlich zu den neuen Terrarien haben Herrchen und Frauchen auch noch ein paar Racks gekauft, eines für die Nachzuchten, und eines mit Boxen, die groß genug sind, dass wir Großen da auch reinpassen. Und in diesem Rack werden wir jetzt immer gefüttert, und auch davon sind wir alle ziemlich begeistert. Statt in mehreren Durchgängen in Faunarien passen wir jetzt alle auf einmal ein die Boxen des Racks, dadurch haben wir dann alle mehr Ruhe beim Fressen, und in der Zwischenzeit können Herrchen und Frauchen dann unsere Terrarien aufräumen, wie praktisch.

Altes Terrarienzimmer
 

Alte Wohnzimmerterrarienwand
 

Neues Terrarienzimmer
 

Neue Wohnzimmerterrarienwand
 

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Herrchen und Frauchen ihre Meinung in Bezug auf Holzterrarien grundlegend geändert haben. Gerade, wenn ihr neu ins Schlangenhoteliergewerbe einsteigen wollt, sind Holzterrarien nicht nur eine günstige, sondern auch eine praktische Möglichkeit mit guten klimatischen Eigenschaften. Und eine ausgeklügelte Regeltechnik, wie wir sie jetzt haben, ist bei einer großen Anzahl an Terrarien sehr praktisch, für ein einzelnes oder nur ein paar Terrarien wirklich nicht nötig. Und wie es ja auch schon an anderer Stelle so schön formuliert ist: Eine stumpfe Maschine kann niemals ein aufmerksames Herrchen ersetzen!

So, jetzt habe ich aber wirklich genug geredet.

Grüße, Mace



Mit Sack und Pack zur Börse

Hallo, mein Name ist Depa. Oder sollte ich besser sagen Depo? Ja ich bin einer dieser Fälle, die in ihrer Jugend fälschlicher Weise als Weibchen deklariert wurden. Und wenn Ihr glaubt, dass das für meine Herrchen schlimm war, was glaubt Ihr denn, wie es mir dabei ergangen ist? Zwei Jahre lang wurde ich wie ein Mädchen behandelt. Und wochenlang wurde ich von Kit bestiegen. Zum Glück haben sich meine Herrchen irgendwann über den ausbleibenden Nachwuchs gewundert und mich sondiert. Das war zwar auch nicht angenehm, hat mein langes Leiden aber schließlich beendet. Kurz darauf haben sie einen Entschluss gefasst und nahmen mich zur nächsten Reptilienbörse mit. Aber lasst mich noch ein wenig ausholen:

Ich bin eine Graugebänderte Königsnatter und mittlerweile drei Jahre alt. Bin also sehr hübsch und gut genährt. Aus meinem Terrarium beobachtete ich nun, wie meine Herrchen eine Kiste packten. Darin legten sie eine große weiße Tischdecke und Tesafilm sowie Stifte, Küchenrolle, Etikettenkleber, einen Zollstock, Schlangenbilder, Klebeband, eine Mülltüte und bunten Bodengrund. Dann holten sie ihr Zuchtbuch und eine Mappe mit vorausgefüllten Übergabebescheinigungen sowie Visitenkarten und legten diese auch in die Kiste. Schon verschwanden die beiden wieder und kamen wenig später mit zwei kleinen und einem großen Kasten zurück. Sie sagten etwas von Displays. Später erfuhr ich, dass man in diesen Displays uns Schlangen präsentiert, damit andere Menschen unsere Schönheit besser erkennen können. Jedenfalls bereiteten sie diese Displays zur Aufnahme von Schlangen vor und beklebten diese mit Deklarationen. Auf so einer Deklaration stehen für jede Schlange sämtliche Informationen, die man zum Verkauf auf Börsen benötigt. Welche diese sind, kann man in der jeweiligen Börsenordnung nachlesen.

Als nächstes trugen sie unzählige Plastikboxen herein und taten in jede ein wenig Küchenrolle. Nach und nach nahmen sie eine Schlange nach der anderen aus ihren Behältnissen und stopften sie in diese Boxen. Eine Box nach der anderen verschwand in einer Styroporkiste (ich hoffe ich habe das richtig ausgesprochen). So gelangten die ganzen Teppichpythonkinder, die Kornnatterneonaten und die winzigen Strumpfbandnattern in den Thermobehälter. Und… was… ne… was passierte denn dann… holten die etwa… jetzt nahmen die doch tatsächlich mich aus meinem Terrarium und stopften mich ebenfalls in eine solche Box. Ahhhh… jetzt verschwand auch ich in der Styroporkiste. Deckel drauf und es wurde dunkel.

Dann verluden sie uns in ein Auto. Ich weiß zwar nicht was das ist, aber es vibrierte seltsam und wackelte herum. Eine Stunde später wurde es wieder hell. Eine riesige Halle mit lauter Tischen erstreckte sich vor uns. Unsere Herrchen legten die weiße Tischdecke über einen der Tische und bauten ihre Displays auf. Dann kamen wir alle in die vorbereiteten Fächer. Sie richteten den Stand noch etwas her und positionierten sich wartend dahinter. Sie hatten noch ein wenig Zeit, bis die Reptilienbörse für Besucher eröffnet wurde. Deshalb ging das männliche Herrchen durch die Halle, kaufte leckeres Frostfutter, Bodengrund und sah sich nach den Preisen um, die die anderen Züchter für ihre Tiere verlangten. Wieder zurück schrieben sie entsprechende Preise auf Selbstklebeetiketten und wiesen damit jede Schlange aus.

Etwas später öffnete die Börse. Die Besucher strömten herein und beäugten die Stände. Viele wussten genau, was sie wollten. Doch einige hatten bis dahin mit Reptilien rein gar nichts am Hut gehabt und erkundeten neugierig die Halle. Manchmal angeekelt, manchmal überrascht und teilweise erfreut. Kinder hatten stets weniger Berührungsängste. Teilweise fanden die Besucher auch diese Geckos toll. Was ich nicht verstehen kann. Mit ihren Beinen sind die doch eher abscheulich anzusehen. Hin und wieder blieben einzelne oder in Gruppen befindliche Menschen am Stand meiner Herrchen stehen und informierten sich über die Tiere. Geduldig erklärten meine Herrchen dann immer, um was für Schlangen es sich handelte, wie groß diese werden würden, wie sie zu halten seien und vieles mehr. Manchmal wollten Kinder auch eine Schlange kaufen, doch meine Herrchen sagten dann immer, dass sie Tiere nicht an Minderjährige verkaufen dürften.

Am Ende des Tages, den meine Herrchen als außergewöhnlich erfolgreich bezeichneten, haben sie alle ihre Strumpfbandnattern und über die Hälfte der Kornnattern verkauft. Achja, bevor ich es vergesse zu erwähnen: und mich ebenfalls. Ich mache ihnen keine Vorwürfe. Schließlich fanden sie ja auch ein Graugebändertes Königsnatterweibchen, was sofort gekauft werden musste. Da war ich halt über. Ich musste weg. Und irgendwie hatte sich mein neues Herrchen auf der Börse sofort in mich verliebt. Da konnten meine alten nicht nein sagen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Reptilienbörsen ideal dazu geeignet sind, sich aus erster Hand über Reptilien, deren Haltung und Vermehrung zu informieren. Gleichzeitig kann man deren Vielfalt unmittelbar erleben. Zudem bieten Börsen gute und günstige Möglichkeiten Futter, Terrarien und Zubehör zu erwerben. Ich gebe zu, dass man auch auf Börsen noch auf Menschen hereinfallen kann, die einem nicht die Wahrheit sagen, Farmzucht betreiben oder ungesunde Tiere verkaufen. Falls man an der Seriosität des Verkäufers Zweifel hegt und dieser durch dessen fachliche Antworten nicht gemindert werden kann, dann bleibt einem immer noch die Option die Visitenkarte des Verkäufers einzustecken und dessen Zucht vor Ort zu besichtigen. Sollte er Euch diese Möglichkeit nicht einräumen, war der Zweifel wohl begründet.

So, ich melde mich dann hier zum letzten Mal. Hab ja nun ein neues Zuhause. Lebt wohl, Euer Depo!



Dr. Red auf der Flucht

Sie schnappten mich an einem ruhigen Sonntag. Ich saß gerade auf einem Ast in meinem Terrarium und ließ es mir gut ergehen. Ich versuchte zu pfeifen, was mir nicht gelang. Schon lange probiere ich diese seltsame Methode der Geräuschentwicklung aus, doch niemals mit Erfolg. Wieso Luft durch die Mundöffnung blasen, wenn man doch einfach mit dem Schwanz rasseln kann. Wie dem auch sei… ich schweife ab.

Wie ich bereits erwähnte war es Sonntag, als plötzlich die Scheibe zu meinem Terrarium aufgerissen wurde. Eine riesige Hand schnappte mich und steckte mich in einen Jutebeutel. Dann war es lange Zeit dunkel. Stunden später nahm man mich aus dem Beutel und steckte mich in ein anderes Terrarium. Es war weiß und Pinienrinde bedeckte den Boden. Ich versuchte mich aufzublähen, um gefährlich zu wirken, doch dann war die Hand bereits wieder weg. Wo war ich, was sollte ich hier und warum war ich nicht alleine?

Sofort drang der Duft eines netten Kornnatternweibchens über meine Zunge an mein Jakobsches Organ. Sie schien gerade erst aus der Winterruhe erwacht zu sein und wirkte noch etwas schläfrig. Ich bemerkte, dass sie bereit war, sich auf eine Beziehung zu einem gut aussehenden, etwas kräftigen Bloodred Bock einzulassen. Jetzt begriff ich auch, dass man mich aus meinem Heim entführt hatte, damit ich mich mit dieser fremden Dame paarte. Ich beschloss mich zum Schein auf das Spiel einzulassen, mir dabei ruhig etwas Spaß zu gönnen und bei erster Gelegenheit aus meinem neuen Gefängnis auszubrechen.

Die Tage vergingen und das Mädel schien sich mittlerweile total in mich verliebt zu haben. Gestern sprach sie davon, auf Dauer mit mir zusammen zu ziehen. Ich habe so getan, als wenn ich geschlafen hätte. Es wurde langsam höchste Zeit, von hier zu verschwinden. Zwar hatte ich noch keine Möglichkeit gefunden, aus meiner weißen Hölle auszubrechen, doch ließ ich mich von solchen Kleinigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Gerade wollte ich zu Bett gehen, da umweht mich eine kühle Brise. Mein Blick wendete sich dem Ort zu, aus welchem dieser Luftzug zu mir drang. Eine runde Öffnung mit einem weißen Gitter davor. Ich kroch dorthin und erforschte diese Belüftungsbohrung. Obwohl ich nicht der schlankste war, würde ich mich da durch quetschen können, wenn doch das verfluchte Gitter nicht wäre. Mit der Nase voran versuchte ich mein Glück und stieß sanft dagegen. Stieß fester dagegen und rammte schließlich mit aller Wucht meinen Schädel dagegen, stemmte das Gitter mit meinem wuchtigen Körper auf.

Mit einem Plopp sprang das Lüftungsgitter davon und landete klimpernd auf dem Boden. Das war meine Chance. Ich seilte mich an mir selbst hinunter und kroch unter die Terrarien. Der Boden fühlte sich kalt an. Sah aus wie aus Holz. Nur viel glatter. Ich schlängelte mich zum Ausgang des Raumes. Leise und vorsichtig musste ich mich bewegen, damit meine Geiselnehmer nichts merkten. Autsch… Ich schaute an mir entlang und sah, dass ich mich an einem Holzstück verfangen hatte, was nun unter den Terrarien quer in den Raum hinein ragte. Ich musste es wieder zurückschieben, sonst würden meine Gefängniswärter wissen, dass ich entkommen und in welche Richtung ich abgehauen war.

Es mussten nun schon mindestens 2 Tage vergangen sein. Ich befand mich in einem langen Gang. Im Schutze der Nacht hatte ich gerade einen Haufen Kot abgesetzt und bewegte mich nun auf den Mond zu, der am anderen Ende des längliche Raumes die Wohnung erhellte. Vielleicht fand ich dort eine Möglichkeit in die Freiheit zu gelangen. Langsam wurde mir jedoch bewusst, dass ich mein kleines weißes Gefängnis, in welchem ich zumindest regelmäßig gefüttert wurde, gegen eine wasserlose kalte Wüste getauscht hatte, die von unüberwindbaren Gebirgen umgeben war.

Die nächsten Tage verbrachte ich in einem Sessel. Als ich in der vierten Nacht erneut versuchte einen Weg an die frische Luft zu finden, wurde es urplötzlich taghell und eine riesige Hand – ich glaube dieselbe, die mich seiner Zeit in den Jutesack gestopft hatte – packte mich, hob mich in die Luft und verfrachtete mich zurück in das verdammte weiße Terrarium. Zurück zu der nervenden Braut.

Red flieht (Szene nachgestellt)
 

Beim Sessel wurde er aufgegriffen
 

Das Lüftungsgitter lag auf dem Boden
 

Erneuter Ausbruch zwecklos
 

Noch einige Stunden versuchte ich erneut auszubüchsen, doch hatten meine Gefängniswärter dazugelernt und nun die Belüftungsstopfen von innen auf die Bohrungen gesteckt. Ich brauchte Hände, um diese nun abzuziehen. Dagegenstemmen brachte mich nicht mehr weiter.

So muss sich jeder schließlich seinem Schicksal fügen.



Aus dem Tagebuch einer Natter

Auszug einer beliebigen Woche im Leben der Kornnatter Boba:

Freitag
Heute war wieder Fütterung. Wie immer wurden wir dazu aus unserer Behausung herausgenommen und in kleine Plastikschubladen gesteckt. Nach kurzer Zeit öffnete sich die Schublade einen kleinen Spalt und eine tote aber warme Maus ragte an einer langen Pinzette hängend zu mir hinein. Sofort schnellte ich mich um sie und begann sie zu verputzen. Kurz darauf brachte man mich wieder zurück in meine Wohngemeinschaft, wo inzwischen eine Putzfrau unseren Kot beseitigt und frisches Wasser bereit gestellt hat. Sie macht stets sehr gute Arbeit, gesehen habe ich sie jedoch noch nie.

Samstag
Heute blieb ich in meiner Höhle. Mein Magen spannte noch immer vom gestrigen Mahl. Han hatte gestern nichts gegessen, da er kurz vor der Häutung steht. Wenn ich so meine Herrchen beobachte, wie sie mehrmals täglich Futter in sich hineinschaufeln, wird mir speiübel. Wie können die nur so oft fressen?

Sonntag
Verdammt. Ich habe verschlafen. Aus irgendeinem Grund ging die Sonne heute nicht auf. Es blieb einfach duster. Später kam jedoch Herrchen und hat die Sonne ausgewechselt. Jetzt scheint sie wieder. Danach passierte nichts spannendes mehr. Frauchen saß auf der Couch, während Carl den ganzen Tag umher gekrochen ist. Ab und zu ist er von der Decke gefallen und platschte ins Wasserbecken. Ich kann nur hoffen, dass ich nicht eines Tages mal gerade dort bin, wo er aufschlägt. Carl ist nämlich nicht gerade der Leichteste.

Montag
Carl verfolgte uns. Ja er kroch hinter uns her und hat versucht uns zu Boden zu drücken. Lediglich ich kann dem etwas entgegensetzen. Ich denke, dass ich nur noch ein paar Mäuse mehr fressen muss, bis ich Carl besiegen kann. Dann bin ich der König der Wohngemeinschaft. Han hat noch nie gewonnen und gibt stets als erster auf.

Dienstag
D
ie letzte Nacht kam Han einfach nicht zur Ruhe. Die gesamte Zeit schubberte er sich an allen Möbelstücken, um seine alte Haut loszuwerden. Jetzt liegt sie ausgebreitet und trocken auf dem Bodengrund. Mein Magen drückt nicht mehr ganz so sehr. Ich denke, dass ich bald kacken werde können.

Mittwoch
Obi Wan hat ins Wasserbecken geschissen. Dieser verdammte Blödmann. Ich kroch mit wahnsinnigen Durst am Morgen zur Tränke, nahm einen kräftigen Schluck und musste würgen. Mir war sofort klar, was geschehen war. Und genau so schnell wusste ich auch, wer es war. Mittlerweile kann ich Obis Ausscheidungen aus hunderten herausfinden. Ob mir diese Fähigkeit jedoch irgendwann einmal nützlich sein wird, bezweifle ich. Am Nachmittag hat Frauchen das Wasserbecken gereinigt.

Donnerstag.
Jetzt habe auch ich endlich einen dicken Haufen machen können. Ich nutze dazu aber immer die selbe Ecke. Weit weg vom Schlaf- und Trinkplatz. Warum mache ich mir eigentlich immer so viel Mühe, wenn allen anderen das total egal zu sein scheint? Nun, wie dem auch sei. Mein Bauch ist wieder leer und ich könnte wieder eine Maus vertragen. Morgen ist es wieder soweit. Ich freue mich schon.