Kinderkriegen ist nicht schwer

Ein Männchen und ein Weibchen ►
Winterruhe ►
Verpaarung ►
Eiablage ►
Inkubation ►
Aufzucht der Neonaten ►

 

 

Ein Männchen und ein Weibchen

Auch Euch Menschen sollte es nicht verwundern, dass eine Grundvoraussetzung für die Zeugung von Nachwuchs für die meisten Spezies das Vorhandensein zweier Geschlechter ist. Bei uns Schlangen ist es mit der Geschlechtsbestimmung jedoch nicht ganz so einfach, da wir unsere Fortpflanzungsorgane nicht so exzessiv zur Schau stellen, wie Ihr es tut. Anscheinend bedeutet uns das Wort Schamgefühl noch etwas.

Eine sehr verbreitete Möglichkeit herauszufinden, ob wir männlich oder weiblich sind, ist das Sondieren. Dabei steckt man uns einen dünnen Metallstab mit stumpfem Kugelkopf in die Kloake. Schon die Vorstellung allein ist echt gruselig. Dann schiebt man diese Sonde Richtung Schwanzende. Bei einem Weibchen kommt man nur wenige Schuppen weit. Ein Männchen besitzt Hemipenes, die in Taschen sitzen. Hier gelangt man je nach Schlangenart, 8 bis 15 Schuppen tief. Da es aber sehr unangenehm ist, ziehen wir alles zusammen, was wir so zusammenziehen können. Deshalb kann es sein, dass man selbst bei einem Männchen nicht sehr weit hinein gelangt. Somit kann man lediglich Männer sicher bestimmen, Mädels jedoch nicht.

Von Züchtern gerne angewendet ist das Poppen. Während Ihr Menschen diesen Begriff für etwas anderes verwendet, steht er bei uns Schlangen für die Geschlechtsbestimmung von Jungschlangen. Bei Neonaten übt man mit dem Daumen leichten Druck auf die Unterseite hinter der Kloake aus und streift die Hemipenes aus den Taschen. Poppen sie hervor, ist ein Männchen sicher bestimmt.

Sondierset
 

Poppen oder Sondieren bedeuten aber ein gewisses Verletzungsrisiko für uns Schlangen. Neulinge sollten das auf keinen Fall selbst probieren. Fragt einen erfahrenen Züchter, ob der Euch Poppen zeigen kann. Ansonsten kann man sich zur Geschlechtsbestimmung (Sondieren) auch an einen Tierarzt wenden.

Ein weiteres sicheres Zeichen für eine männliche Schlange ist, wenn am abgestreiften Natternhemd die Spermapropfen des Männchens erkennbar sind. Diese kleinen Hautreste sind häufig bei geschlechtsreifen Schlangen auszumachen.

Schwieriger wird es, das Geschlecht rein an Äußerlichkeiten festzumachen. Dies kann dann von Schlange zu Schlange unterschiedliche Merkmale betreffen. So haben die meisten Rautenpythonmännchen leicht größere Köpfe und Aftersporne als ihre weiblichen Artgenossen. Bei den Sandboas und Strumpfbandnattern werden die Weibchen wiederum wesentlich größer. Auch hilft eine genauere Betrachtung des Schwanzes bei der Geschlechtszuordnung. Während sich der Schwanz bei Weibchen im Allgemeinen ab der Kloake schnell verjüngt, tut es das männliche Schlangenende erst ein paar Schuppen später.

Ich möchte hier nur verdeutlichen, dass es für Euch Menschen nicht ganz so einfach ist, wirklich eindeutig das Geschlecht einer Schlange zu bestimmen. Wir selbst können dies während der Paarungszeit über die Düfte, die wir absondern, was bei Euch wohl aber flach fällt. Nun leuchtet auch dem langsamsten Denker der menschlichen Spezies ein, dass wenn sich das lieb gewonnene Schlangenpärchen auf Teufel komm raus nicht verpaaren möchte, in Betracht gezogen werden sollte, dass es vielleicht gar kein Pärchen ist. Dies passiert selbst den versiertesten Züchtern immer wieder und ist kein Grund zur Schande.

 

 

Winterruhe

Wie so oft benötigt man für die wichtigen Entscheidungen im Leben einen kräftigen Schubs. Sozusagen eine äußere Stimulation. Bei uns Schlangen ist zumeist der Frühling nach einer ausgedehnten Winterruhe die Stimulans zur Paarung. Aber auch wenn Ihr als Schlangenhalter nicht die Intention habt, Nachwuchs großzuziehen, ist die Winterruhe ein natürlicher Bestandteil des Schlangenlebens und sorgt für ein kräftiges Immunsystem. Dann solltet Ihr aber im Frühling niemals Männchen und Weibchen zusammen in einem Terrarium halten, denn uns ist es egal, ob Ihr züchten wollt oder nicht. Wir tun's!

Bevor Ihr uns in den Winter schickt, solltet Ihr aufhören uns zu füttern. Denn nichts ist schrecklicher, als den Winter über verwesendes Fleisch im Magen liegen zu haben. Was das für ein Mundgeruch ergibt! Und welches Weibchen würde sich dann mit uns abgeben? 2 - 3 Wochen später kann die Temperatur des Terrariums heruntergenommen und die Beleuchtungszeit verkürzt werden. Nach weiteren 2 - 3 Wochen könnt Ihr uns dann in einer Kiste in den Keller oder in einen Kühlschrank stellen, wo wir dann die nächsten 8 - 12 Wochen verbringen.

Während wir überwintern benötigen wir zwar kein Futter, dennoch solltet Ihr unser Wasser weiterhin 2 Mal wöchentlich wechseln, damit dies stets frisch ist. Falls Ihr uns nicht in die Winterruhe jagen wollt, kann es passieren, dass wir uns die Winterruhe selber nehmen. Unser Körper reagiert bereits auf geringste Druck- und Temperaturunterschiede, so dass wir schon irgendwie mitbekommen, wenn es bei Euch wirklich kalt ist. Wir verkriechen uns dann in der kältesten Ecke des Terrariums und stellen das Fressen ein. Keine Sorge, wenn’s wärmer wird, ist das wieder vorbei.

Um die Schlangen aus der Winterruhe zu holen, verfahrt Ihr einfach in umgekehrter Reihenfolge. Das erste Futter sollte ein nicht zu großer Happen sein, da unser Körper, vor allem das Verdauungssystem, erst wieder auf Touren kommen muss. Bei noch jungen oder geschwächten Tieren solltet Ihr aber auf eine Winterruhe verzichten. So eine lange Periode ohne Futter kostet enorm Kraft, was solche Tiere womöglich nicht überleben würden. Aber Kopf hoch, nächstes Jahr kommt ja wieder ein Winter.

Einfache Überwinterungsbox
 

Kühlschrank für die Winterruhe
 

Bitte beachtet, dass nicht alle Schlangen in der freien Natur Winterruhe halten. Überlegt Euch einfach, wo unsere Urahnen mal hergekommen sind, und mit welchem Klima sie sich in ihrer Heimat auseinandersetzen mussten. Generell halten Schlangen, die aus Nord- und Mittelamerika kommen, wie z.B. Korn-, Königs- und Strumpfbandnatter, Winterruhe. Bei manchen Schlangen, wie z.B. den afrikanischen und australischen Arten (Königspythons, Teppichpythons, Zwergpythons, etc,) reicht es zum Winter die Temperatur lediglich etwas herabzusetzen. Meist geschieht dies von alleine, da im Winter die Umgebungstemperaturen bereits geringer sind als im Sommer. Diese Arten verpaaren sich im Allgemeinen während der Winterzeit und legen bereits zu Beginn des Frühlings ihre Eier ab.



Verpaarung

Wie schon erwähnt, beginnen die meisten Schlangenarten im Frühjahr mit der Verpaarung. Jetzt könnt Ihr das Wunder der Natur live erleben - und in Farbe. Und das alles bei Euch im Wohnzimmer. Für null Euro extra. Also angeschnallt und zurückgelehnt! Wenn alles glatt läuft verfolgt das Männchen das Weibchen durch das ganze Terrarium und besteigt es. Oft beißt es dem Weibchen dabei zur Stimulanz in den Nacken. Ja, unsere Mädels mögen es gerne etwas härter. Befinden sich mehrere Männchen in einer Behausung werdet ihr feststellen, dass sie sich gegenseitig besteigen. Das ist aber nur auf den ersten Blick so. Für uns Schlangen ist das nämlich was Grundverschiedenes. Ihr nennt es - glaube ich - Kommentkampf. Dabei versuchen wir Männchen uns gegenseitig herunterzudrücken, um auszuloten, wer der Stärkere ist. Denn nur der Stärkere darf zum Weibchen. Bei Teppichpythons kann solch ein Kommentkampf schnell ausarten und zum Beschädigungskampf werden. Da muss man dann ganz dolle aufpassen.

Verpaarung von Blairi-Königsnattern
 

Verpaarung von Kornnattern
 

So eine Verpaarung kann dann schon einige Tage dauern. Irgendwann wird das Weibchen keine Lust mehr haben und sich zurückziehen. Bald darauf wird es die Futteraufnahme einstellen. Das hat den Grund, dass in einem solchen Schlangenbauch nun mal nicht genug Platz für Eier und Futter ist. Außerdem müssen unsere Weibchen die Eier durch die Kloake ablegen. Wenn sich dort auch noch Kot befindet, kann dies verkleben und es zu einer physischen Legenot kommen.

Lebhafte Weibchen werden nun auch deutlich ruhiger. Ob eine Verpaarung geklappt hat, kann man meist erst erkennen, wenn sie die Eier gelegt hat. Eine andere Alternative kann das Röntgen sein. Meist genügt es jedoch, das Weibchen zu greifen und das Hinterteil locker von der Hand baumeln zu lassen. Streicht man nun über den Bauch kann man bei fortgeschrittener Trächtigkeit die Eier erfühlen. Teils sogar so gut, dass sie dadurch abgezählt werden können. Pythons zeigen Euch sogar, dass sie den männlichen Samen empfangen haben indem sie teils ständig, teils nur gelegentlich ihren Bauch der Sonne entgegenstrecken. Zeugt eine solch widernatürliche Körperhaltung sonst nur von Krankheit, könnt Ihr Euch nun über Nachwuchs freuen.

Kommt es einmal nicht zu einer Verpaarung, hilft es ein weiteres Männchen ins Terrarium zu setzen. Je nach Schlangenart solltet Ihr dann aber anwesend bleiben (Ich sprach ja schon die Teppichpythons und ihre seltsamen Rituale an). Stellvertretend für ein anderes Männchen kann aber auch ein altes Natternhemd (so nennt man die abgestreifte Haut)  ins Terrarium gehangen werden. Dies simuliert die Anwesenheit eines Kontrahenten. Klar sein sollte, dass es das Natternhemd eines Schlangenbocks (meistens der selben Art) sein muss. Klappt es dennoch nicht, ist Euer Bock entweder zu alt, zu jung oder zu fett. Oder er hat nicht mitbekommen, dass es Frühling ist. Was soll ich sagen? Solche Typen gibt es immer wieder.

Meine Gastgeber trennen außerhalb der Paarungszeit Jungs und Mädels. So wird es für uns Jungs dann umso interessanter, wenn wir dann endlich doch zu den Mädels dürfen. Und natürlich kann man so auch ungewollten Schwangerschaften vorbeugen. Frei nach dem Motto die beste Verhütung ist kein Sex.



Eiablage

Dass die Eiablage kurz bevor steht, erkennt Ihr daran, dass Eure Schlange anfängt durch das Terrarium zu wuseln. Sie sucht dabei schlichtweg eine geeignete Stelle, um die Eier zu deponieren. Spätestens jetzt ist es höchste Eisenbahn, ihr eine Eiablagebox anzubieten. Besser ist es, diese bereits während der gesamten Trächtigkeit im Terrarium vorzuhalten, damit sich die Kleine bereits daran gewöhnt und sich häuslich eingerichtet hat. Ziemlich genau 1 Woche vor der Eiablage häutet sich das Nattern-Weibchen noch mal, bei Pythons sind es etwa 3 Wochen.

Eine Eiablagebox sollte 10 bis 15 cm tiefen feuchten Bodengrund und/ oder Moos besitzen. Das im Fachhandel angebotene Vermiculite tut es natürlich auch. Die Box sollte dunkel und nur von Oben begehbar sein. Das Loch darf gerade groß genug für die trächtige Schlange sein. Natürlich muss die Box auch groß genug für die Schlange sein. Achtet auch darauf, dass Ihr die Box einfach und ohne viel Aufhebens auf Eiablage überprüfen könnt. Denn die Schlange wird es Euch gewiss nicht sagen. Meistens verweilen die Schlangen noch ein paar Tage auf den Eiern. War ja schließlich ganz schön anstrengend. Pythons brüten Ihre Eier sogar komplett aus. Für sie sind die Tage des Hungerns mit der Eiablage noch lange nicht gezählt. Wollt Ihr aber, dass möglichst viele Neonaten schlüpfen, solltet Ihr dem Weibchen in jedem Fall die Eier wegnehmen.

Apus erste improvisierte Eiablagebox
 

Malla linst aus der Eiablagebox
 

Sandboas und Strumpfbandnattern sind eilebendgebärende Schlangen. Dabei schlüpfen die Schlangen unmittelbar nach dem Legen aus einer sie umhüllenden, fast durchsichtigen Eierschale. Diese Schlangen brauchen nicht unbedingt eine Eiablagebox, dennoch solltet Ihr nicht ganz unvorbereitet auf eine solche Geburt sein. Das gesamte Terrarium müsst Ihr nämlich abdichten und lediglich die Luftschlitze offen lassen. Die Schlüpflinge sind sonst schnell auf unfreiwilliger Wanderschaft im Wohnzimmer unterwegs. Bereits ein kleiner Wasserfilm genügt, um ein 2 Gramm schweres Strumpfbandnatterneugeborenes an der Terrariumdecke entlangklettern zu sehen. Also wirklich überall abdichten.

Sollte für Eier legende Schlangen keine Eiablagebox vorhanden sein, kann es zur Legenot kommen. Die Schlange weiß dann nicht so recht, wo sie die Eier ablegen soll und zerbricht sich so sehr den Kopf, dass sie einfach vergisst die Dinger loszuwerden. Im besten Fall verteilt sie dann doch die Eier im gesamten Terrarium oder setzt sie im Wasserbecken ab. Wenn letzteres geschieht müsst Ihr schon sehr schnell sein, um die Eier noch zu retten. Schlimmer wird's, wenn Euer hübsches Weibchen die Eier gar nicht legt. Man nennt dies psychische Legenot. Also eine Legenot, für die es keine körperlichen Gründe (wie zum Beispiel verstopfte Kloake oder zu kleiner Darmausgang) gibt. Legt die Schlange binnen einer Woche trotz Eiablagebox keine Eier, solltet Ihr zum Arzt gehen. Die Mutter kann dann noch gerettet werden, für die Eier wird es vermutlich bereits zu spät sein. Dennoch sollte man zunächst versuchen sie auszubrüten.

Cordé bei der Eiablage
 

Malla ovuliert
 

Apus erstes Gelege
 

Malla bebrütet ihr Gelege
 

Ich als Schlange warne jedoch davor, die Eier herauszumassieren. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Schon gar nicht, wenn Ihr darin unerfahren seid. Geht Ihr auch nur einen Klacks zu unvorsichtig vor, könnt Ihr die Mutter schnell verletzen und dadurch töten.

Eine physische Legenot kann unterschiedliche Ursachen haben. Die gilt es zunächst zu klären. Ist der Darmausgang verstopft, reicht es meistens diesen zu säubern und eventuell eine Spülung mit Kochsalzlösung zu machen. Ist die Schlange zu jung oder der Darmausgang zu eng, hilft weder dies noch das Herausmassieren der Eier oder eine klasse konstruierte Ablagebox. Hier hilft nur eine Operation.



Inkubation

Damit aus den befruchteten Eiern auch kleine Schnürsenkel schlüpfen, bedarf es einer konstanten Bruttemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit. Am leichtesten erreicht Ihr dies mit so genannten Inkubatoren. Fertige gibt es bereits ab 100 Euro im Fachhandel. Solltet Ihr viele Eier im Jahr ausbrüten wollen oder wenig Geld besitzen könnt Ihr Euch natürlich auch selbst einen bauen. Bei kleinen Brutkästen werdet Ihr dadurch aber keine geldwerten Vorteile erwirtschaften.

Um sich einen Inkubator selbst anzufertigen, muss man wissen, wie ein solcher grundsätzlich funktioniert: In einem isolierten Behälter befindet sich auf dessen Grund ein Wasserspiegel. Darüber ein Gitterrost auf welchen man die verschiedenen Gelege positionieren kann. Natürlich jedes in einer gut durchlüfteten Heimchendose oder (bei größeren Eiern) etwas entsprechendem. Im Inkubator selbst befindet sich noch eine Heizanlage, die thermostatgesteuert die benötigte Temperatur konstant hält. Viele Züchter bauen so alte Kühlschränke um. Man kann aber auch ein in Styropor (oder Styrodur) gehülltes und ausgemustertes Aquarium verwenden.

Nun aber zurück zu den Eiern - Bevor Ihr auch nur eines anfasst und aus dem Terrarium entfernt, schreibt Euch folgendes hinter Eure aus dem Kopf wachsenden Ohren: Verändert nicht die Position der Eier, trennt zusammenklebende nicht und setzt sie nie dorthin, wo es nass ist. Im Ei bildet sich eine Luftblase, in deren Nähe sich der Embryo dann auch am Ei anheftet. Sollte nun das Ei gedreht werden, würde das Embryo keinen Sauerstoffaustausch mehr durchführen können und absterben. Durch das Trennen verklebter Eier könnte die Schale beschädigt werden und Bakterien oder andere Erreger eindringen. Außerdem muss die Luftfeuchtigkeit zwar hoch sein, aber nicht direkt am Ei anliegen. Am besten kann man dies durch im Fachhandel erhältliches Brutsubstrat (Vermiculite) erreichen, in welches die Eier gebettet werden. Bei Inkubatoren, die auch die Luftfeuchtigkeit geregelt konstant halten, empfiehlt es sich sogar substratlos zu inkubieren.

Einfacher Inkubator (Flächenbrüter)
 

Inkubation von Gelegen
 

Kornatter- und Teppichpythongelege
 

Brütende Schlangen könnt ihr getrost auch mit ihrem Gelege in den Inkubator verfrachten. Der sollte dann aber absolut ausbruchssicher und natürlich auch groß genug sein. Weiterhin ist es von Vorteil, wenn der Brutkasten dann abgedunkelt ist, damit die werdende Mutter nicht zu sehr abgelenkt ist und unter Stress leidet. Natürlich dürft Ihr eine Wasserschale für die Mutter nicht vergessen.

Trotz enormer Sorgfalt schlüpfen nicht immer aus allen Eiern auch die ersehnten Jungtiere. Das kann unterschiedlichste Gründe haben, die auch beim Muttertier gefunden werden können. Letztlich ist dies aber kein Grund zur Besorgnis. Stark deformierte Eier oder welche mit gelblichem Stich (Wachseier) braucht Ihr nicht auszubrüten. Die werden eh nichts. Solltet Ihr Euch mal nicht sicher sein, separiert Ihr diese vom Rest des Geleges (nur wenn sie nicht mit den anderen Eiern verklebt sind) und versucht sie in einer eigenen Heimchendose auszubrüten.

Kurz vor dem Schlüpfen dellen sich die Eier meist ein. Zum Ende der Inkubationszeit ist dies normal. Geschieht das jedoch bereits zum Beginn des Ausbrütens, deutet das darauf hin, dass die Luftfeuchtigkeit im Inkubator nicht hoch genug ist. Hier hilft tägliches vorsichtiges Absprühen der Eier mit heißem Wasser. Manchmal sieht man zum Ende der Inkubationszeit auch einen kleinen Ritz in der Eierschale. Nach ein bis zwei Tagen verlassen die ersten Neonaten das Ei. Manche lassen sich aber auch etwas mehr Zeit. Spätestens jetzt solltet Ihr die brütende Schlange vom Gelege entfernen, damit es im engen Brutkasten nicht zu Unfällen mit den Jungtieren kommt. Nach dem Schlupf kann man die Kleinen mit lauwarmen Wasser baden und ins Aufzuchtbecken verfrachten.



Aufzucht der Neonaten

Die Aufzucht der kleinen Schnürsenkel ist grundsätzlich recht einfach, kann aber immer wieder zu frustrierenden Momenten führen. Ich empfehle Euch, jeden der Kleinen in ein eigenes Aufzuchtbecken oder sie in einzelne Boxen eines Rack-Systems zu verfrachten, was recht spartanisch eingerichtet sein darf: Zeitungspapier als Bodengrund, einen Kletterast, ne Wasserschale und eventuell ein Versteck. Bei Pythons kann auf ein Versteck verzichtet werden, da sie dies meist so sehr vorziehen, dass ihnen Temperatur und Luftfeuchtigkeit egal sind und dies zu Lungenentzündung oder anderen Krankheiten führen kann. Besonders wichtig ist aber stets eine gute Durchlüftung.

Racksystem für Neonaten
 

Racksystem für juvenile Schlangen
 

Eine Woche bis 10 Tage nach dem Schlupf häuten sich die Neonaten. Erst jetzt solltet Ihr ihnen das erste Futter anbieten (Vorher waren sie sowieso noch extrem satt vom Eidotter). Und da wären wir auch schon bei Problempunkt Nummer 1: Manche Kleinen wollen einfach nicht ans Futter. Meist genügt es, ihnen das zu geben, was man später auch verfüttern möchte (lebende oder tote Mäuse, etc.). Einige Neonaten sind aber besonders wählerisch. Sind sie zudem noch sehr bissig, kann es genügen, sie mit dem Futter zu ärgern, bis sie zuschnappen. Bei Totfutter kann man dieses zusammen mit der Schlange in einen engen Behälter sperren oder das Hirn der Maus leicht herausquetschen. Viele Pythons neigen hingegen dazu eher zu große Futtertiere verspeisen zu wollen und kleine zu verschmähen. Schaut Euch die Schlange genau an. Je nachdem, wie sie sich bei den ersten Fütterungen verhält, unterscheide ich 4 Fresstypen, die auch in der entsprechenden Reihenfolge festgestellt werden können:

  • Typ 1: Der Musterschüler. Er nimmt entweder sofort das erste Futter gierig von der Pinzette oder frisst es, wenn man es ihm in die Box legt nach kurzer Zeit selbständig.
  • Typ 2: Der Spieler. Er interessiert sich nicht für das angebotene Futter und lässt es in seiner Box liegen. Nimmt man es bei der nächsten Fütterung auf die Pinzette und wedelt vor seiner Nase herum, ohne ihn anzustupsen. Und zieht es langsam zurück, wenn er neugierig daran riecht, wird er alsbald von diesem Spiel animiert zupacken.
  • Typ 3: Der Beißer: Dieser lässt sich auch durch das Spiel mit der Pinzette nicht animieren und muss drastischere Methoden erfahren. Stupst man ihn immer wieder mit dem Futter in die Flanke wird er bald so ärgerlich, dass er Abwehrbisse tätigt. Diese werden immer intensiver und von Fütterung zu Fütterung wird er langsam raffen, dass man das essen kann, was ihm angeboten wird.
  • Typ 4: Der Angsthase: Nach wenigen Stupsern in die Seite tritt er die Flucht an. Hier hilft nur eine noch wesentlich vorsichtigere Variante des Spieles, was mit Typ 2 funktioniert hat. Niemals zu aggressiv werden. Nach mehreren Wochen wird der Hunger so groß sein, dass er zupackt. Vorausgesetzt ihr habt ihn mit dem Futter nicht geängstigt.

Das Stopfen der Jungschlange sollte stets die letzte Möglichkeit sein und nur von erfahrenen Züchtern erfolgen. Sollte es aber doch mal so weit sein und Ihr Euch eine vernünftige Einweisung von einem erfahrenen Züchter geholt haben, empfiehlt Frauchen das Stopfen mit Mäuseschwänzen statt mit ganzen aufgetauten Babymäusen. Das macht nicht nur weniger Dreck, sondern geht auch einfacher und schneller, was für die Kleinen weniger Stress bedeutet. Zwischen zwei Fütterungen per Stopfen sollte immer eine freiwillige Fütterung versucht werden. So werden die Schlangen zwar nicht besonders schnell groß, aber letztlich geht es ja auch darum, den Neonaten klar zu machen, dass man das wirklich fressen kann, was einem da angeboten wird.

Weiterhin erleichtert Euch die angesprochene Einzelhaltung eine genaue Buchführung über die Aufzucht. Wer hat wann gegessen, sich gehäutet oder geschissen (entschuldigt den Ausdruck, aber das ist für die Schlange nun mal wichtig). Schaut Euch den Kot genau an. Ist er dünnflüssig oder befindet sich sogar Blut darin? Junge Schlangen sollten alle 5 Tage etwas zu essen bekommen. Spätestens aber, wenn sie gekotet haben.

Nun soll es vorerst genug sein. Ich hoffe Euch gut geholfen zu haben. Alles Gute und haltet Eure Schuppen zusammen!

Euer Lenny!